Am 9. Mai wurden im Deutsch-Amerikanischen-Institut in Heidelberg die Gewinner des alljährlichen Erzählwettbewerbs der Julius-Springer-Schule geehrt.
Mit der diesjährigen Preisverleihung feierte die Schule zudem das 25-jährige Jubiläum des Wettbewerbs. Angefangen hatte damals alles mit Molly Hiesingers Überzeugung,
dass jeder Schreiben kann. Sie war sich sicher: „In jedem steckt ein Künstler.“

Die Anforderungen zur Teilnahme waren einfach: Es sollte eine Kurzgeschichte verfasst werden, die nicht länger als vier Seiten ist. Sie sollte eine Alltagsgeschichte behandeln,
die interessant, spannend, glaubwürdig, mitreißend, überzeugend, nachvollziehbar, berührend oder humorvoll ist. Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt.
Selbstverständlich musste der Einsendeschluss eingehalten werden.

Die Jury, bestehend aus Simone Groß (Verlag Springer Nature), Molly Hiesinger (ehemals Julius-Springer-Schule), Jakob Köllhofer (Leiter des DAI), Toni Landomini (Rapper) und Manfred Metzner (Verlag Das Wunderhorn) wählte aus knapp 40 Einsendungen aus. Die Preise wurden unter anderem vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Baden-Württemberg e. V. und der Quadrate-Buchhandlung in Mannheim gesponsert.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer kleinen Diashow, die Bilder aller Plakate und Preisverleihungen des Wettbewerbs zeigte. Darauf folgte eine kurze Ansprache des Rektors der Julius-Springer-Schule, Uli Richard Liebler. Im Anschluss daran, hielt Molly Hiesinger eine kurze Rede über die Ursprünge des Erzählwettbewerbs und dessen Entwicklung in einem viertel Jahrhundert. „Wortakrobat“ Toni Landomini moderierte die Veranstaltung und sicherte die gute Stimmung des Publikums. Wobei es sich Molly Hiesinger nicht nehmen ließ im Laufe der Veranstaltung auf die Bühne zu gehen und die ein oder andere lustige Anekdote aus vergangen Zeiten zu erzählen.

Den Anfang der eigentlichen Preisverleihung machte der Sonderpreis der Schüler-Jury. Alina Heimes ist gerade einmal 18 Jahre alt und macht zurzeit eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Ihre Geschichte „Schuld“ handelt von einem jungen Mann, der unter Alkoholeinfluss Auto fährt. Dabei kommt es zu einem Verkehrsunfall, bei dem seine kleine Schwester stirbt. Am Ende der Geschichte nimmt er sich das Leben.  Inspiriert wurde ihre Geschichte durch einen ähnlich tragischen Vorfall in ihrem Umfeld.
In diesem Jahr wurd zudem ein weiterer Sonderpreis vergeben, der „Preis der Deutschlehrer/innen“. Mariola Kleppes Geschichte über das Warten auf den Brief, der die Zusage des Ausbildungsplatzes enthält, ist den Deutschlehrern und Lehrerinnen der Julius-Springer-Schule eine Auszeichnung wert. Ihre Begründung: jeder, der eine Ausbildung machen will, kennt dieses nagende Gefühl, welches in der Geschichte so treffend beschrieben wird. Mariolas Geschichte ist vollkommen authentisch. Derzeit befindet sie sich im ersten Lehrjahr zur Kauffrau für Büromanagement.

Nikolina Serdar-Kissel absolviert zurzeit eine Ausbildung zur Buchhändlerin und schaffte es mit ihrer Geschichte „Warten“ auf das Podium. Inhalt ihrer Erzählung ist das Thema Obdachlosigkeit. Verfasst ist diese aus der Sicht einer Obdachlosen. Die Idee dazu kam Nikolina auf einer Party. Dort traf sie eine Obdachlose, mit der sie sich die ganze Nacht unterhielt.

Den zweiten Platz belegt Fabienne Grzesiek. Der Titel ihrer Geschichte ist „Offline“. Was passiert, wenn man sich mal aus der digitalen Welt ausklingt und seiner Umgebung Beachtung schenkt, zeigt uns Fabienne mit ihrem Werk auf. Sie befindet sich aktuell in den letzten Zügen ihrer Ausbildung zur Medienkauffrau für Digital und Print.

Anne Sophie Jedynak sicherte sich die Goldmedaille. Der Titel ihrer Geschichte „Wortgewalt“ ist Programm. Denn ihre Einreichung handelt von einem Auftritt bei einem Slam. Auf knapp vier Seiten schlägt sie uns die Worte in einem Slam, über die Schatten der Vergangenheit, nur so um die Ohren.

Als man sie anrief, um ihr mitzuteilen, dass sie gewonnen hat, konnte sie es gar nicht fassen: „Ich bin fast vom Sofa gekippt, als Frau Hiesinger mich abends angerufen und gesagt hat, dass ich den ersten Platz gewonnen habe.“ Was sie mit ihrem Preisgeld anfangen wird, weiß sie noch gar nicht so genau: „Um ehrlich zu sein, hatte ich das mit dem Geld total vergessen. Frau Hiesinger hat mich während unseres Telefonats daran erinnert. Da bin ich aus allen Wolken gefallen.“

Ihre Liebe zum Schreiben spiegelt sich auch in ihrer Berufswahl wieder. Nachdem sie zuerst in Stuttgart Linguistik und Germanistik studiert hat, entschloss sie sich etwas „Praktischeres“ zu machen und begann eine Ausbildung zur Medienkauffrau für Digital und Print.

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war neben der Preisverleihung das Gespräch mit Schriftsteller Thomas Plischke, der mit seiner Erzählung „Fickpisse“ im Jahr 2000 nicht nur einen Preis  gewann, sondern damit auch für einen handfesten Skandal in der Geschichte des Erzählwettbewerbs gesorgt hatte. In einer satirisch-lustigen Art plauderte er über seine Anfange beim Erzählwettbewerb, sowie seine Arbeit als Fantasy- und Krimiautor und sein ungewöhnliches Privatleben mit Mann und Frau.

Für ein musikalisches Intermezzi sorgten Frank Ziegler, Sänger der Band Panik (ehemals Nevada Tan), sowie Schülerin Melissa Schweiger-Turan und Milena Ehrmann, eine ehemalige Schülerin, die zurzeit in England Musik studiert.

Preisträger

  1. Platz Anne Sophie Jedynak 500 €

„Wortgewalt“

  1. Platz Fabienne Grzesiek 300 €

„Offline“

  1. Platz Nikolina Serdar-Kissel 150 €

„Warten“

Preis der Deutschlehrer/innen

Mariola Kleppe 100 €

„Warten“

Preis der Schüler-Jury

Alina Heimes 100 €

„Schuld“