An einem Montagmorgen erinnert die Versandhalle an eine Geisterstadt. Das Licht ist stark gedämmt, einzig das Surren der Maschinen ist zu hören. Große blaue Trommeln mit einem Gestell in dreiecksform an jeder Seite, die so genannte “Rollen“ – sie sind leer. Gewöhnlich sind dort mehrere hundert Lagen Zeitungen oder Beilagen aufgezogen, die halbseitig überlappen, wodurch eine Form entsteht, die entfernt an ein Windrad erinnert.  Das kettenbetriebene Fließband mit Klammern weit über meinem Kopf steht still. Jeder einzelne meiner Schritte hallt durch den menschenleeren Raum.

Erst gegen 15 Uhr wird dieser Geisterstadt heute wieder Leben eingehaucht. Normalerweise herrscht hier ein ohrenbetäubender Lärm, der es nahezu unmöglich macht ein Wort zu verstehen. An jedem Beilagenanlegertisch steht ein Mitarbeiter, der die Beilagenbündel in den Newsliner einlegt. Frisch gedruckte Zeitungen kommen zusammengefaltet, an den Klammern hängend aus der Druckerei gefahren und sausen durch den Raum, direkt in diese Maschine. Dort wird die Zeitung geöffnet und innerhalb von Sekunden werden die Beilagen beigefügt und die Zeitung wieder zugeklappt. Dann schnappen sich die Klammern die fertige Zeitung mit Beilage und fahren diese zum Anpack. Der Kreuzleger ist ein Teil davon. Hier werden je 50 Zeitungen in 10-er Stapeln, versetzt aufeinander gelegt.  Weiter geht es mit der Folienmaschine. Dort wird die Zeitung foliiert und mit Versandbändern gestrapst. Zum Schluss fährt der Zeitungsstapel über die verschiedenen Abfertigungslinien auf einem Transportband weiter nach Draußen in die Abfertigungshalle.

Mein Blick schweift durch den Raum. Schwer vorstellbar, dass in ein paar Stunden hier solch ein Trubel herrschen wird. Ich überprüfe die angelieferten Beilagenmengen im Wareneingang für die kommende Produktion. Dann mache ich mich wieder auf den Weg ins Büro und lasse die vorrübergehende Geisterstadt hinter mir.