Ein Amor namens Ausbildung

„Hätten wir uns im Club kennengelernt, wären wir nicht zusammengekommen…“, betont Sarah (24) während sie die Hand von ihrem Freund hält. Robert (26) und Sarah haben sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung bei einem Mannheimer Automobilhersteller kennengelernt. Ihrer Meinung nach taugt eine Beziehung im Büro mehr als ihr Ruf. Sie sprachen mit uns über die Vor- und Nachteile einer Beziehung auf der Arbeit.

„Dadurch, dass wir es erst mal für uns behalten haben, war es sehr entspannt. Wir klärten die Situation erst für uns. Das war schon ganz gut so.“ Dieser Schritt war sicherlich nicht leicht. Die meisten Kolleginnen und Kollegen ahnten nichts von dem neuen Liebesglück zwischen Vans und PKWs. Erst nach ein paar Monaten erkundigte sich der Chef und fragte nach. „Scheinbar wussten die Kolleginnen und Kollegen auch schon was Sache ist.“, vermutet Sarah.

Besonders durch sehr kommunikative Mitarbeiter kann eine Beziehung im Job schnell unangenehm werden, denn Büro-Tratsch verbreitet sich meist rasend schnell und vermittelt all zu oft einen falschen Eindruck von den Beteiligten. Robert: „Man muss sich darauf einstellen, dass es im Geschäft die Runde machen könnte“ und betont „aber wenn man das vorher miteinander geklärt hat, ist das kein Problem.“

Außer unangenehmen Blicken neugieriger Kollegen, kann es noch weitere Gefahren für die Liebe geben: „Fehlende Freiräume und Monotonie im Alltag stehen wohl ganz oben auf der Liebeskiller-Liste.“ Genügend Freiheiten haben sich Sarah und Robert jedoch stets geschaffen, da sie nur selten gemeinsam in einer Abteilung eingesetzt waren. „Jeden Tag zusammen in einem kleinen Büro? – dann wäre es wohl auseinander gegangen.“, mutmaßt Sarah.

Ein wenig Distanz schadet auch bei Beziehungen am Arbeitsplatz nicht. „Bei zu viel Nähe ist die Gefahr groß, Privates und Berufliches zu vermischen.“ Dafür spricht das Paar zu Hause sehr viel über die Arbeit. Verständnis wird hier natürlich groß geschrieben. Sie kennen nicht nur die betrieblichen Abläufe, sondern auch die Kollegen und können dadurch leichter nachvollziehen von was der Partner spricht.

 

Was ist, wenn es einmal auseinander geht?

Diese Frage muss man sich wohl oft von skeptischen Freunden stellen lassen. Sarah: „Man sollte sich darüber schon seine Gedanken machen. Bei uns war es zum Glück einfacher, denn nach kurzer Zeit stand fest, dass Robert in Stuttgart übernommen werden würde und ich hingegen in Mannheim bleibe.“ Für Sarah und Robert hat sich die Problematik durch das Ende der Ausbildung vereinfacht, allerdings sollte man sich bei einer Beziehung am Arbeitsplatz auf mögliche Konsequenzen einstellen.

Als wertvollsten Tipp geben sie uns mit: „Erst mal alles in Ruhe miteinander besprechen und klären, ob man es so möchte.“ Eine Beziehung zwischen zwei Kollegen kann eine schwierige Angelegenheit werden, es bietet aber ebenso die Möglichkeit seinen Partner auf eine andere Weise kennen zu lernen und eventuell auch besser zu verstehen.

Sarah und Robert haben diese Chance genutzt und gezeigt, dass eine Beziehung auf der Arbeit kein Problem sein muss. Dabei spielen auch die Umstände in seinem Betrieb eine wichtige Rolle. „Es wurde bei unserem Ausbilder zum Glück sehr positiv aufgenommen. Dies hat es uns natürlich leichter gemacht“, betont sie.

Selbstverständlich beeinflussen auch Faktoren, wie die Einstellung des Vorgesetzten, das Arbeitsklima sowie die Bedenken der Beteiligten den Verlauf einer Beziehung zwischen den Bürostühlen. Sarah und Robert sind, wie sie selbst sagen, sehr froh, dass es bei ihrem Ausbildungsbetrieb zu keinen Problemen kam und man sich der Beziehung offen gegenüber präsentieren konnte. /js

 

TIPPS
1. Zurückhaltung
Klärt erst untereinander wie ihr euer Verhältnis seht!
2. Freiräume wahren:
Zu viel Nähe ist ungesund für eine Beziehung, erst recht bei der Arbeit!
3. Professionell bleiben:
Nehmt Privates nicht mit auf die Arbeit und verhaltet euch angemessen. Die Arbeit darf von der Beziehung nicht beeinträchtigt werden!
4. Achtung!
Beziehung zwischen Ausbildern und Azubis sind besonders heikel! Der Ausbilder hat eine besondere Fürsorgepflicht und macht sich sogar strafbar, falls der Azubi noch keine 18 Jahre alt ist.