Vor gut drei Jahren war es soweit: meine Abiturprüfungen standen vor der Tür und ich wusste immer noch nicht wohin es gehen soll…
…Ich dachte immer, ich hätte noch lange Zeit, um mir etwas zu überlegen, aber diese ist viel schneller vergangen, als mir lieb war.

Ulla (22) aus Mannheim erzählt von ihrer Zeit nach dem Abi:

Das Einzige was ich immer wusste, war, was ich nicht werden wollte.
Wenn dann alle anderen im Umfeld einen festen Plan für ihre Zukunft haben, ist deine Existenzkrise perfekt.

Viele meiner Mitschüler planten ein Jahr im Ausland, was auch mir als die perfekte Möglichkeit schien, meine Entscheidung noch ein wenig hinauszuzögern. Durch Zufall erfuhr ich dann auch vom Europäischen Freiwilligendienst, einem von der EU geförderten Programm. Da ich damals noch zu viel Angst vor einem Land hatte, in dem ich die Sprache nicht beherrschte und mich England schon immer fasziniert hatte, war die Entscheidung leicht für mich. Die Bewerbungen waren schnell geschrieben und durch ein bisschen Glück bekam ich auch einen Platz in einer Organisation in London. Doch kurz vor der Abreise packte sie mich, die Panik.

Ein ganzes Jahr im Ausland? Alleine? Hatte ich mir vielleicht zu viel zugetraut und das alles nicht gut durchdacht? Aber es gab keinen Platz mehr für Zweifel, alles war schon fest geplant, also ab ins Flugzeug und nur wenige Stunden später wurde ich bereits in meiner Organisation, in der ich das nächste Jahr hauptsächlich in der Seniorenbetreuung arbeiten würde, vorgestellt.

Und ich bereue es keine Sekunde. Im Gegenteil, es war sogar eine der besten Entscheidungen, die ich je gemacht habe. Natürlich war es nicht immer einfach. Es gab Tage, da hätte ich am liebsten alles geschmissen. Ich habe viele vorzeitig abreisen sehen, denen es zu viel wurde. Aber ich habe nicht aufgegeben und bin dadurch über mich selbst hinausgewachsen.

Deshalb kann ich es nur jedem empfehlen, nach dem Schulabschluss ins Ausland zu gehen. Diese Zeit, in der ich ganz auf mich alleine gestellt war, unabhängig von meinen Eltern und Probleme ganz alleine lösen musste, weil Mami oder Papi das nicht mal schnell für mich erledigen konnten, hat mich so viel reifer gemacht. Anfangs wusste ich nicht, ob es das Richtige für mich ist, aber ich habe den Schritt gewagt und die positiven Erfahrungen überwiegen. Auch die Arbeit mit den Senioren, die sich so oft einfach nur jemanden zum Zuhören gewünscht haben, hat mir so viel gegeben, das ich nicht missen möchte.

Aber hat es mir auch mit meiner Zukunft geholfen? Ein bisschen auf jeden Fall. Ich habe in London die Liebe zur englischen Sprache entdeckt und studiere nun Anglistik mit Beifach BWL in Mannheim. Wo ich damit in 5 Jahren stehe, weiß ich immer noch nicht. Aber ich habe gemerkt, dass es viele noch nicht wissen und dass das nicht schlimm ist. Mit der Zeit wird sich schon das Richtige für mich finden. Da bin ich mir mittlerweile sicher.