Viele wollen nach der Schule erstmal reisen und was erleben. Aber leider ist das Ganze oftmals mit hohen Kosten verbunden. Es kann zwar sein, dass man schon irgendwo jobbt oder die Eltern etwas Startkapital dazugeben. Aber wäre es nicht auch toll, schon arbeiten zu gehen, sein eigenes Geld zu verdienen und die Welt unsicher zu machen? Die gängigen Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt, wie Au Pair oder Work & Travel, sind ziemlich bekannt. Aber wenn man schon mitten in einer Ausbildung oder einem dualen Studium steckt, gibt es auch die Möglichkeit,
einen Teil im Ausland zu verbringen.

Wie man ein EuroTrainee wird

Im zweiten Jahr meiner Ausbildung zur Medienkauffrau wurde uns in der Berufsschule „Go.for.europe“, ein Programm der IHK Baden-Württemberg, vorgestellt. Für vier Wochen reist man mit dem Erasmus+ Förderprogramm der EU als „EuroTrainee“ ins Ausland – in meinem Fall nach Plymouth in England – besucht dort eine Sprachschule und arbeitet in einem Betrieb. Diese Chance wollte ich unbedingt nutzen. Allerdings wurden nur 15 Plätze in ganz Baden-Württemberg vergeben. In einem Onlineauswahlverfahren musste ich mich erstmal einem ziemlich langen
Formular stellen, in dem alles Mögliche abgefragt wurde – von bisherigen Auslandserfahrungen, über Fremdsprachen- und Computerkenntnisse bis hin zu Interessen und der Schul- bzw. Ausbildung. Außerdem galt es am Ende, ein Motivationsschreiben zu verfassen, wieso ich unbedingt ins Ausland möchte – das Ganze einmal auf Deutsch und auf Englisch. Das zusammen ergab dann den sogenannten Europass. Zu guter Letzt mussten auch noch sämtliche Bescheinigungen angehängt werden, unter anderem auch eine Einverständniserklärung der Berufsschule und des Ausbildungsbetriebes. Diese wird dringend benötigt, um ins Ausland gehen zu dürfen. Außerdem muss vorausgesetzt sein, dass die schulischen Leistungen durch diese Zeit nicht gefährdet werden, da man auch Unterricht verpasst. Nachdem ich alle erforderlichen Unterlagen an die IHK abgeschickt hatte, hieß es also zu warten. Nach 2 Monaten erhielt ich dann tatsächlich die Zusage. Die IHK regelte danach alles – sowohl die Anreise, Auslandsversicherungen, einen Platz in einer Gastfamilie und einen Praktikumsplatz. Vor meinem Auslandsaufenthalt ging es dann noch für einen Tag nach Konstanz, um die anderen EuroTrainees kennenzulernen und zu erfahren, in welchem Betrieb ich arbeiten werde.

Willkommen in Großbritannien!

Anfang April trafen sich alle EuroTrainees am Frankfurter Flughafen, um gemeinsam nach London zu fliegen. Von dort ging es dann mit dem Bus weiter in den Cornwall, entlang der Südküste Englands nach Plymouth. Dort besuchte ich die erste Woche die Sprachschule „Tellus“, wo ich unter anderem Tipps für Freizeitaktivitäten erhielt, aber auch hilfreiche Formulierungen für den (Arbeits-)Alltag lernte. Die Tellus Mitarbeiter unterstützten uns auch immer, wenn mal was nicht so rund lief. Im Anschluss arbeitete ich für drei Wochen im Hotel Future Inn. Dort packte ich überall an, wo gerade Unterstützung gebraucht wurde. Unter anderem half ich bei der Organisation von Hochzeiten und Trauerfeiern mit, unterstützte das Team, wenn Konferenzen anstanden, die bewirtet werden sollten, oder buchte neue Zimmerreservierungen ein. Obwohl die Aufgaben zwar nicht ganz mit denen aus meiner eigentlichen Ausbildung zur Medienkauffrau übereinstimmten, habe ich echt viel dazu gelernt und schaute nebenbei in eine ganz andere Branche rein. Meine Kollegen waren alle super nett und hilfsbereit (und tranken sehr viel Tee) und hatten auch sehr viel Verständnis, wenn mir doch mal das ein oder andere Wort nicht sofort einfiel.

Leben in der Gastfamilie

Meine Gastmutter holte mich am ersten Tag bei der Anreise ab und brachte mich am letzten Tag wieder zum gemeinsamen Treffpunkt. Durch meine Gastfamilie habe ich meine Englischkenntnisse wirklich verbessert, da man in der Zeit mehr oder weniger gezwungen ist, Englisch zu reden, ganz egal wie. Wir unterhielten uns viel über deutsche und englische Traditionen, aber auch über Sehenswürdigkeiten in der Umgebung oder einfach über britisches Fernsehen. Auch wenn ich nicht jedes Wort kannte, schafft man es doch immer, die Wörter so zu umschreiben,
dass es der andere auch versteht. Und das ist meiner Meinung nach die beste Übung, um eine andere Sprache zu erlernen. Trotz dessen, dass die englische Küche zugegebenermaßen schon etwas gewöhnungsbedürftig ist, versuchten meine Gasteltern immer, mir was Anständiges auf den Tisch zu zaubern. Ich hatte dort mein eigenes kleines Zimmer und teilte mir mit den beiden Kindern das Badezimmer. Meine Gastmutter hat auch jede Woche meine Wäsche gewaschen und bezog jede Woche neu mein Bett.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Trotz Arbeit und Schule blieb uns allen genug Zeit, um die Gegend rund um Plymouth (Cornwall) zu erkunden. Dort gibt es wunderschöne Landschaften, Berge und das Meer. Ich bin viel gewandert, teilweise mit der Gruppe aber auch oft und gerne allein. Mit dem Wetter hatten wir tatsächlich sehr viel Glück – obwohl England ja auch für den Regen bekannt ist, habe ich nur selten richtigen Regen erlebt. Allerdings hatten wir in der Zeit oft sehr starken Wind, was aber auch daran lag, dass Plymouth am Meer liegt. Für alle, die gerne shoppen gehen, hat England auch einiges zu bieten (darunter musste mein Geldbeutel oft leiden). Über die Osterzeit war ich dann in London (von Plymouth nach London sind es mit dem Zug ca. 3 Stunden). Während dieser Zeit habe ich nebenbei viel über die britische Kultur, Menschen und die Sprache gelernt. Wenn ich dann doch mal von weißem Toastbrot oder der Tiefkühlpizza meiner Gastfamilie genug hatte, ging ich abends
auch gerne mal mit den anderen EuroTrainees in der Innenstadt oder am schönen Hafen essen (oder in den umliegenden Pubs etwas trinken).

Mein Fazit

Ich kann jedem, der in einer Ausbildung ist und trotzdem ins Ausland möchte, dieses Programm nur empfehlen. Man lernt so viel dazu, entwickelt sich weiter und wächst über sich hinaus. Außerdem lernt man tolle Leute und eine andere Art zu arbeiten kennen. Ich persönlich bin seit dem offener anderen Kulturen gegenüber und trage weiterhin England im Herzen. //sw

 

 

Bild: Sarah Wallner