Plötzlich hast du dieses seltsame Gefühl: Stopp, irgendwas stimmt hier nicht…

Schnell zum Drogeriemarkt, nötige Utensilien kaufen und sofort nach Hause. Zwei Minuten warten, dann der Schock: Verdammt! Ich bin schwanger!

Ich bin Christiane, heute 26 Jahre alt und habe genau das erlebt wovor viele sich enorm fürchten. Als dieser Moment bei mir eintrat, machte ich gerade ein geburtshilfliches Praktikum in der Schweiz. Für viele Mädchen, die sich gerade in ihrer beruflichen Entwicklungsphase befinden, bricht hier eine Welt zusammen. Was nun?

Abtreiben kommt nicht bei jedem in Frage, aber ist denn jetzt das Leben zerstört? Für mich war zumindest klar, dass ich nach meinem Abitur einen Beruf ergreifen wollte, der später mal mein Kind ernähren kann. Ebenso klar ist aber auch, dass Hebamme nicht gerade der lukrativste Job ist und im Hinblick auf eine Familie mit äußerst flexiblen Arbeitszeiten verbunden ist. „Ich werde es durchziehen“, das hatte ich mir fest vorgenommen.

Nachdem das achtmonatige Praktikum dann abgeschlossen war, zog ich zurück nach Deutschland zu meiner Familie. Ein Kind im Ausland, ohne Beruf und ohne intaktes soziales und familiäres Netz zu bekommen, wäre zu dem Zeitpunkt eine zu große Herausforderung gewesen. Bewerbungen für Hebammenschulen in ganz Deutschland gingen noch in meiner Schwangerschaft raus. Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch war ich hochschwanger. Es war ein Glück, dass mich letztlich die Hebammenschule in nächster Nähe genommen hat.

Die Ausbildung startete also im Frühjahr 2010 in Heidelberg, als mein Sohn Finn 10 Monate alt und gerade abgestillt war. Zu dieser Zeit wohnten mein Freund, mein Sohn und ich bei meinen Eltern im Odenwald. Mein Kleiner war zunächst von früh morgens bis spät nachmittags bei einer Tagesmutter im Nachbarort. Das Jugendamt kann registrierte Tagesmütter vor Ort vermitteln und die AWO (Arbeiterwohlfahrt) übernimmt u.a. bei Auszubildenden die wesentlichen Kosten hierfür. Die Tagesmutter muss für die Kostenübernahme beim Jugendamt registriert sein. Zusätzlich bekommt man Elterngeld, welches sich am letzten Gehalt der Eltern orientiert und Kindergeld für das Baby. Das gilt für alle Eltern.

 

Viel Verständnis und Flexibilität

Die meiste Zeit während meiner Ausbildung war ich auf sehr viele Helfer angewiesen, die auch kurzfristig einspringen konnten. Der praktische Teil meiner Ausbildung fand hauptsächlich in Heidelberg im Schichtsystem statt. Das bedeutete, dass ich Finn nach einem Nachtdienst zu seiner Tagesmutter gebracht habe und anschließend völlig erledigt ins Bett gefallen bin. Wegen des Berufsverkehrs zwischen Heidelberg und dem Odenwald oder gelegentlichen Überstunden kam ich auch hin und wieder etwas später nach Hause als sonst. Es brauchte also viel Verständnis und auch Flexibilität von meinem Betreuungsnetz. Finn kam dann mit zwei Jahren in eine Kita. Seine Tagesmutter holte ihn um 12 Uhr ab, sodass er bei ihr Mittagsschlaf machen konnte.

Alles in allem konnte ich beruhigt zur Schule oder zur Arbeit fahren. Ich wusste, dass Finn in liebevollen Händen ist. An manchen Tagen, wenn mein Kind müde oder etwas kränkelnd war, blutete mir auch mal das Herz. Es stehen den Azubis in diesem Zusammenhang 10 Krankheitstage für Kinder zur Verfügung. Diese sind zusätzlich zu den eigenen Krankheitstagen gedacht, was wirklich notwendig und sinnvoll ist. Bei bestimmten (Kinds)- Erkrankungen durfte ich keinen Kontakt zu Schwangeren und Gebärenden, sowie Entbundenen haben. Das gilt auch für andere Berufsgruppen, besonders im Gesundheitswesen oder im öffentlichen Dienst.

Wenn ich Schule hatte, waren die Zeiten insgesamt leichter kalkulierbar und etwas entspannter. Es gab außer mir noch eine andere Mutter in unserem Hebammenkurs. Die Hebammenschule Heidelberg stellt immer wieder Mütter ein. Ich schätze sie haben gute Erfahrungen mit auszubildenden Müttern gesammelt. Andere Mamas in Ausbildung, fahren wegen einer zu großen Distanz, nur am Wochenende nach Hause und wohnen beispielsweise in Wohnheimen, die meist in Kliniknähe sind.

Es gibt die verschiedensten Modelle, wie man eine Ausbildung mit Kindern schaffen kann. Man muss sich auf jeden Fall äußerst gut organisieren und so vorausschauend planen wie möglich. Man muss sich bewusst sein, dass man in dieser Zeit abhängig von der Hilfe anderer ist. Das Ziel aber ist die Selbstständigkeit, die man durch einen gelernten Beruf oder ein abgeschlossenes Studium erlangt! Nicht zuletzt ist ein gewisses Maß an Disziplin und Biss erforderlich. Das ist unabhängig davon, ob man unmittelbar vor oder während einer Ausbildung schwanger wird. In der Regel stößt man aber auf Verständnis und Unterstützung. Wichtig ist, dass man sich informiert, welche Möglichkeiten man überhaupt hat.

Wenn es um das eigene Kind geht, taucht ungeahnte Energie und Ausdauer auf. Die gilt es zu nutzen. Ich bin sehr glücklich, dass ich mein Kind habe. Nach den Prüfungen ist man verdammt stolz auf das was man geschafft hat. So wie ich, und das hoch 2!